RPGs abseits von AAA verkaufen sich und sorgen zugleich für Aufsehen
Mistfall Hunter, Kenshi und Heroes of Might and Magic: Olden Era zeigen in derselben Woche, dass RPGs abseits von AAA sowohl Aufmerksamkeit als auch Verkäufe erzielen können.

Während das neue Co-op-Dark-Fantasy-RPG Mistfall Hunter in der Open Beta ist, hat Kenshi die Marke von 3 Millionen Verkäufen überschritten und Heroes of Might and Magic: Olden Era 1 Million Verkäufe erreicht. Diese drei Spiele aus unterschiedlichen Genres machen in derselben Woche sichtbar, dass RPG-Projekte außerhalb des AAA-Spektrums sowohl auf Spielerinteresse als auch auf kommerziellen Erfolg stoßen können.
Mistfall Hunter bündelt vertraute Genres unter einem Dach
Mistfall Hunter kommt auf den ersten Blick mit vertrauten Elementen daher: Soulslike-Kämpfe, Co-op-RPG-Fortschritt, PvPvE-Begegnungen und Extraction-Gameplay. Was das Spiel interessant macht, ist jedoch nicht bloß das Nebeneinander dieser Bausteine. Das Konzept legt besonderen Wert auf Third-Person-Nahkampf, Charakteraufbau und Zusammenarbeit.
Im Spiel begeben sich die Spieler in gefährliche Gebiete, kämpfen gegen groteske Monster und harte Bosse, sammeln wertvolle Beute und versuchen, wieder herauszukommen, ohne alles zu verlieren. Das Risiko kommt dabei nicht nur aus der Umgebung. Auch gegnerische Spieler werden Teil derselben Bedrohungskette. So stellt sich jedes Mal dieselbe Frage: tiefer vorstoßen oder mit der vorhandenen Beute entkommen?

Der Soulslike-Einfluss ist im Kampfrhythmus des Spiels sofort spürbar. Ausweichen, Ausdauerverwaltung, Timing, Positionierung und das Lesen von Gegnermustern werden entscheidend für den Erfolg. Der Kampf wirkt nicht wie ein chaotisches Durcheinander, sondern wie ein kontrolliertes System, das Aufmerksamkeit verlangt. Genau das ist einer der Kernpunkte, die das Spiel von ähnlich gelagerten, oft chaotischeren Titeln abheben.
Kenshi sammelte trotz seines harten und gnadenlosen Designs Millionen
Bei Kenshi ist das Bild anders, das Ergebnis jedoch ähnlich. Das in der Wüste angesiedelte, gnadenlose Sandbox-Survival-RPG hat 3 Millionen Verkäufe erreicht. Für ein Spiel mit hartem Einstieg, komplexen Systemen und einem optisch altmodischen Look ist diese Zahl bemerkenswert. Es ist offensichtlich kein Titel, der leicht zugänglich ist.
Kenshi ist kein Spiel, das Spieler sofort in seinen Bann zieht. Eigentlich geht es nicht einmal in diese Richtung. Doch sobald die Einstiegshürde überwunden ist, bietet es enorme Sandbox-Tiefe. In einer kargen Welt kann man ein Team aufbauen und die Umgebung nach den eigenen Zielen formen. Genau deshalb hat das Spiel trotz seiner Nische eine dauerhafte Community aufgebaut.
Lo-Fi Games erklärte bei der Mitteilung dieses Verkaufsmeilensteins, dass seit dem ursprünglichen Release 2018 mehr als 3 Millionen Spieler erreicht wurden. Das Studio bedankte sich bei der Community und erwähnte ausdrücklich Modder, Fan-Künstler, Geschichtenerzähler und Content Creator. Der Erfolg von Kenshi zeigt einmal mehr, dass schwierige Spiele kommerziell keineswegs automatisch begrenzt sind.
Entscheidend ist hier nicht nur die Zahl der Verkäufe. Kenshi war ein Premium-Spiel und hatte auf den ersten Blick keine besonders einladende Präsentation, fand aber auf lange Sicht dennoch Anklang. Das deutet darauf hin, dass bei Indie- oder Mid-Budget-RPGs das Gewicht immer weniger nur auf Marketing liegt, sondern stärker auf Systemtiefe und einer langfristig fesselnden Struktur.
Olden Era wächst, indem es sich auf den Höhepunkt der Serie stützt
Heroes of Might and Magic: Olden Era ist ein weiteres Beispiel für denselben Trend. Das Spiel hat 1 Million Verkäufe erreicht, und gleichzeitig wurde ein roguelike Mod angedeutet. Außerdem ist von Anpassungen des Roadmaps sowie neuen Mods die Rede. Das Spiel bereitet sich also darauf vor, seinen Inhalt weiter auszubauen, ohne den Verkaufserfolg aus den Augen zu verlieren.
Wichtig ist hier vor allem, dass Olden Era sich deutlich an der Serie orientiert, insbesondere an der Ära von HoMM 3 aus dem Jahr 1999. Dieser Ansatz scheint gut anzukommen. Nachdem das Spiel bereits an seinem ersten Tag den Break-even erreicht und 250.000 Exemplare verkauft hatte, setzte es seinen Lauf fort. Die nun erreichte Marke von 1 Million Verkäufen zeigt, dass diese Strategie nicht nur auf Nostalgie, sondern auch auf direkte wirtschaftliche Stärke setzt.

Das Muster hinter Olden Era trifft sich mit den beiden anderen Spielen an derselben Stelle. Projekte außerhalb der AAA-Großbudgets setzen sich mal mit Genre-Mix, mal mit Systemtiefe, mal mit einem starken Kern einer etablierten Serie durch. Gemein ist ihnen, dass selbst riskant wirkende Designs mit der richtigen Zielgruppe starke Ergebnisse liefern können.
Diese drei Beispiele sagen gemeinsam etwas aus: Erfolg im RPG-Genre hängt heute nicht mehr an einem einzigen Schema. Mistfall Hunter verbindet Co-op und Extraction-Spannung. Kenshi produziert mit seiner harten Sandbox auch Jahre später noch Verkäufe. Olden Era führt eine klassische Serie mit moderner Inhaltsplanung weiter. Sie gehen unterschiedliche Wege, aber das Ziel bleibt dasselbe: Indie- und Mid-Budget-RPGs füllen nicht nur den Raum jenseits von AAA, sondern bestimmen mitunter auch die Schlagzeilen.